Luftangriff nahe Kundus
Guttenberg fordert „offenen“ Nato-Bericht an
Verteidigungsminister Guttenberg will der Öffentlichkeit mehr Informationen geben
04. November 2009
Verteidigungsminister Guttenberg hat die von der Nato geführte Afghanistanschutztruppe Isaf aufgefordert, eine "veröffentlichungsfähige" Fassung des Untersuchungsberichts zum Luftschlag bei Kundus vom 4. September zu übermitteln. Diese Version solle dann veröffentlicht werden, sagte ein Sprecher des Ministers. Nur die Nato könne Teile des Berichts freigeben, weil sie es gewesen sei, die ihn als geheim klassifiziert habe.
Für die Nato gilt der Vorfall seit Fertigstellung und Übergabe des Berichts in der vergangenen Woche allerdings als abgehakt; alles weitere sei Sache Berlins, heißt es. Bislang liegt der Bericht nur für die Vorsitzenden der Fraktionen (oder von ihnen benannte Stellvertreter) in der Geheimschutzstelle des Bundestags aus.
Einsatzregeln verletzt?
Nach afghanischen Angaben kamen bei dem Luftangriff 99 Menschen ums Leben
Inzwischen sind Einzelheiten daraus bekanntgeworden, die von Abgeordneten so interpretiert werden, als seien die Einsatzregeln verletzt worden. So habe der deutsche Offizier, der als örtlicher Isaf-Kommandeur in Kundus den Luftschlag auf zwei von Taliban gekaperte Tanklastwagen befohlen hat, fälschlich gemeldet, eigene Truppen stünden in Feindkontakt.
Die Piloten der beiden amerikanischen Kampfflugzeuge hätten unter Berufung auf Einsatzregeln fünfmal nachgefragt, ob sie vor einer Bombardierung zur Warnung einen Tiefflug über das Ziel machen sollten. Der Feuerbefehl hätte nicht von dem örtlichen Kommandeur, sondern vom Isaf-Kommandeur kommen müssen, da keine unmittelbare Gefahr für eigene Kräfte bestanden habe; die Tanklaster waren in einem Flussbett steckengeblieben.
löw.; F.A.Z.
AP
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