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Wochenmärkte
Erst bleiben die Kunden weg, dann die Anbieter
Von Mona Jaeger
Kein Ort zum schnellen Einkauf: Wochenmärkte, wie jener auf der Konstablerwache, sind beliebt, aber nicht von heute auf morgen zu etablieren
 
03. November 2009
Die Finger der alten Frau zittern ein wenig, als sie der Marktfrau den Fünf-Euro-Schein in die Hand drückt. Ein paar Tomaten, ein Bund Lauch und ein halbes Pfund Kartoffeln. 4,65 Euro. Die alte Frau bezahlt es gern. "Ich gehe schon seit 20 Jahren auf den Wochenmarkt. Es schmeckt einfach besser“, sagt sie und geht mit dem Stock in der rechten und der Gemüsetüte in der linken Hand zum nächsten Stand. Der Wochenmarkt in Bockenheim wird seit jeher gut besucht, das sagt auch die Verkäuferin an dem größten Obst- und Gemüsestand: "Jetzt beginnt zwar die etwas schwierigere Saison, aber die Kunden kommen auch im Winter.“ Zwar sei bei vielen Kunden im Moment weniger Geld im Portemonnaie, doch werde die Qualität auf den Märkten weiterhin geschätzt und gekauft. Die bereits etablierten Märkte stünden fast ausnahmslos gut da.
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Frankfurt hat insgesamt 18 Wochenmärkte. Die meisten liegen relativ zentral. Einige haben ihren Standort aber auch weit draußen, zum Beispiel in Nieder-Eschbach. Geht es nach den Bewohnern des Westhafens, sollen es bald 19 Frankfurter Märkte sein. "Die Anwohner sind auf uns zugekommen und haben den Wunsch nach einem eigenen Wochenmarkt geäußert“, sagt Peter Metz, Mitglied der SPD-Fraktion im Ortsbeirat 1. So soll einerseits die Nahversorgung mit Obst und Gemüse besser werden.
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Markt als Treffpunkt
Doch der Markt soll auch eine zweite Funktion erfüllen, die Metz für fast noch wichtiger hält: "Er soll ein Treffpunkt werden, wo sich alte und neue Bewohner treffen und ins Gespräch kommen können. Eine Art Verbindung zwischen Gutleutviertel und Neubürgern des Westhafens.“ Der Ortsbeirat hat nun den Antrag der SPD, der von allen Fraktionen unterstützt wird, weiter an den Magistrat geleitet und hofft auf einen positiven Bescheid. Eine geeignete Fläche sei der zentrale Platz an der Ecke von Bachforellenweg und Zanderstraße. "Der Ort bietet sich schließlich sehr gut für einen Wochenmarkt an.“
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Das sieht Achim Happel, Vorsitzender des Vereins Frankfurter Markthändler, etwas anders. "Die neuen Märkte haben oft große Probleme“, sagt er. Oft sei der Wunsch der Ortsbeiräte und der Anwohner zwar da, aber über die nötigen Voraussetzungen mache sich kaum einer Gedanken. "Es gibt hervorragende Plätze für Wochenmärkte. Die liegen fast alle in der Innenstadt und haben bereits einen Markt.“ Happel verweist auf jenen an der Konstablerwache, der sich für die Standbetreiber sehr lohne. Auch in Bornheim laufe es sehr gut, weil es da geschafft worden sei, den Markt zu einem Treffpunkt zu machen. "Der Markt hat Flair. Jeder kennt da jeden, und statt des schnellen Einkaufens gibt es gute Gespräche.“
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Erwartung wurde enttäuscht
Etwas zu laute Gespräche gibt es nach Empfinden der Anwohner auf dem Friedberger Platz. Jeden Freitag findet dort bis 20 Uhr ein Markt statt, der auch gut angenommen wird. Das Problem für die Nachbarn ist die inoffizielle Party, die regelmäßig im Anschluss an den Markt gefeiert wird. Die Anwohner beschweren sich schon seit längerer Zeit über den Lärm, der bis tief in die Nacht andauere, und die vielen Bierflaschen, die am Morgen danach auf der Wiese lägen. Abgesehen davon wird der Wochenmarkt aber sehr gut angenommen.
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Ganz anders sei das zum Beispiel in Bonames, sagt Happel. "In den Randgebieten finden sich oft keine guten Standorte. In der ersten Woche kommen noch zwölf Stände, dann in der nächsten Woche nur noch neun, dann fünf und so weiter.“ So geschehen ist das in Sossenheim. Ende vergangenen Jahres musste der Markt dichtmachen, weil Stände und Kunden ausblieben. Ein Jahr zuvor zog der Markt sogar noch einmal um an die Hauptstraße, auch eine Bushaltestelle gab es nun direkt vor den Ständen. Die Anbieter hofften auf bessere Geschäfte, doch die Erwartung wurde enttäuscht.
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Faktoren für Erfolg eines Marktes
Die Liste der gescheiterten Wochenmärkte ist noch länger. Schon seit Mitte 2006 hat das Ostend keinen Markt mehr, weil am Ende nur noch zwei Stände übrig geblieben waren. Einst hatte man gehofft, durch den Wochenmarkt werde der Paul-Arnsberg-Platz zu einem neuen Zentrum des Stadtteils werden. Nun liegt er wieder grau und verlassen da.
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Probleme gab es auch im Mertonviertel. Ähnlich wie jetzt am Westhafen hatten sich die Anwohner sehr für einen Wochenmarkt eingesetzt und den zuständigen Ortsbeirat eingeschaltet, der ihren Wunsch unterstützte. Doch als es den Markt schließlich gab, nahm das Interesse der Anwohner an ihm schnell ab. "Die Nachfrage muss natürlich auch nachhaltig sein“, sagt Michael Lorenz von dem Unternehmen Management für Hafen und Markt Frankfurt, das die Wochenmärkte betreibt. Für den Erfolg eines Marktes seien einige Faktoren entscheidend: Käuferschicht, Öffnungszeiten, Anbindung, verfügbarer Platz und noch einige mehr.
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Nische besetzt
Ob der Westhafen ein guter Marktstandort ist, will Lorenz nun prüfen. "Die Anwohner dort sind eher besser verdienend und arbeiten lange. Da bringt ein Markt am Vormittag nichts, der muss schon den ganzen Tag dauern.“ Außerdem müsse es genug Stromquellen und sanitäre Einrichtungen geben. "Sonst kommen die Standbesitzer nicht.“ Für mindestens zwölf Stände müsse Platz sein, dann habe der Markt auch eine Größe, die für Kunden genügend Vielfalt biete. Mache ein Betreiber 300 bis 500 Euro Umsatz an einem Markttag, so Lorenz, dann komme er auch in der nächsten Woche wieder. Wenn nicht, suche er sich einen anderen Standort. "In der Regel ist das schon nach drei bis fünf Wochen absehbar, wie gut ein Markt laufen wird.“ Lorenz wird mit seinen Kollegen in den nächsten Wochen im Westhafen vorbeischauen und mit Vertretern des Ortsbeirats und der dortigen Kirche sprechen, um sich ein Bild zu machen.
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"Grundsätzlich spricht nichts gegen einen weiteren Wochenmarkt“, sagt Lorenz. Die Märkte hätten eine Nische besetzt. Und dort lasse sich durchaus Geld verdienen – auch in wirtschaftlich schlechteren Zeiten.
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F.A.Z.
Felix Seuffert
 
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