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Im Gespräch: Bob Doll, Blackrock
„Die Party fing noch gar nicht an“
Bob Doll
 
30. Juni 2009
Viele Anleger blicken wieder skeptisch auf die Börse. Bob Doll, der Herr über die Aktienanlagen der amerikanischen Fondsgesellschaft Blackrock, teilt diese negative Einschätzung im F.A.Z.-Gespräch nicht.
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Herr Doll, der kräftige Kursaufschwung an den Aktienmärkten scheint zum Stillstand gekommen zu sein. Ist die Party schon wieder vorüber?
Oh nein, sie hat noch gar nicht richtig angefangen. Die Anleger waren erleichtert darüber, dass wir nicht in das schwarze Loch gestürzt sind, wie es die Märkte befürchtet hatten. Zu 50 Prozent bestand die Aufwärtsbewegung daraus, dass einfach weniger schlechte Nachrichten kamen als befürchtet. Aber wir hatten auch noch nicht viele gute Nachrichten.
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Und mit denen müssen wir jetzt noch rechnen?
Wir befinden uns immer noch mitten in einer Rezession, und das Finanzsystem hat sich noch nicht normalisiert. Aber das Schlimmste ist ausgestanden. Die Aktienmärkte haben jetzt einen Boden gefunden, und die Wirtschaft wird ihn in den nächsten Monaten finden. Deshalb denke ich, dass wir die Jahreshöchstkurse an den Aktienmärkten noch nicht gesehen haben.
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Das klingt schon wieder sehr optimistisch.
Optimistisch bin ich noch nicht wirklich. Ich würde sagen, dass ich vorsichtig optimistisch bin. Ich denke, dass der Wirtschaftsaufschwung ziemlich enttäuschend ausfallen wird. Ich rechne für die Vereinigten Staaten im kommenden Jahr mit einem Wirtschaftswachstum von nicht mehr als 2 Prozent. Aber es geht wieder aufwärts.
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Mit der Finanzkrise war die Hoffnung verbunden, dass die amerikanische Volkswirtschaft ihre Ungleichgewichte abbauen wird...
Das war eine schöne große Hoffnung. Immerhin: Eine Sorge betraf ja die geringe Sparquote der amerikanischen Verbraucher, und die ist kräftig gestiegen. Im Herbst 2008 betrug sie null Prozent. Jetzt sind wir bei 6 Prozent, und ich denke, sie wird auf 8 Prozent steigen. Das ist der größte Umschwung, den wir je gesehen haben.
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Fallen die Verbraucher damit als Wachstumstreiber aus?
Die amerikanischen Verbraucher werden dennoch am globalen Wirtschaftsaufschwung teilhaben. Gib ihnen Bargeld, und sie werden es ausgeben. So funktionieren die Verbraucher. Hinzu kommen eine aggressive Geldpolitik seitens der Fed und eine aggressive Fiskalpolitik der amerikanischen Regierung. Sie wird die Steuern anheben müssen, und das wird zu einem Abbau des Haushaltsdefizits beitragen. Aber entscheidend für den Aufschwung werden die Verbraucher sein.
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Was sind zurzeit Ihre Favoriten am amerikanischen Aktienmarkt?
Derzeit bevorzugen wir ein ausgewogenes Portfolio. Wir haben einen favorisierten zyklischen, einen favorisierten defensiven und einen favorisierten Wachstumssektor.
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Das klingt nicht sehr entschieden.
Ich meine das im Ernst. Ich würde diese drei Bereiche in einem Portfolio abbilden. Bei den Aktien, die sensibel auf den Konjunkturzyklus reagieren, bevorzuge ich Energietitel, vor allem jene Aktien, die von einem höheren Ölpreis profitieren. Bei den defensiven Titeln ist die Gesundheitsbranche mein Favorit. Diese Aktien haben am schwersten seit März gelitten und sind deshalb zurückgeblieben. Und bei Wachstumsaktien setze ich auf Technologietitel. Die zeigen seit Jahresanfang die beste Wertentwicklung.
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Ihre Kollegen von Blackrock in London sind der Meinung, dass die europäischen Aktienmärkte in diesem Jahr besser abschneiden werden als die Wall Street. Teilen Sie diese Ansicht?
Das Schöne an Blackrock ist, dass wir nicht alle die gleiche Meinung haben müssen. Und in diesem Punkt stimme ich meinen Kollegen in London nicht zu. Die Vereinigten Staaten werden im Zuge der aggressiven Politik als Erste aus dieser Krise herauskommen, auch wenn ich damit nicht behaupten will, dass die Vereinigten Staaten auf lange Sicht nicht einige gravierende Probleme hätten. Doch in Europa bleiben die Konjunkturindikatoren noch zurück, und in den Bilanzen der europäischen Banken befinden sich noch zu viele faule Kredite.
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Welche Märkte sind dann Ihre Favoriten?
Grundsätzlich sind wir der Meinung, dass Aktien aus Schwellenländern die Aktienmärkte aus etablierten Ländern schlagen werden. Innerhalb der etablierten kommen an erster Stelle die Vereinigten Staaten, an zweiter Japan und an dritter Europa.
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Japan setzen Sie derzeit hoch? Die Börse Tokio enttäuscht doch seit 15 Jahren sämtliche Hoffnungen auf einen Kursaufschwung.
Und genau deshalb glaube ich, dass die japanischen Aktienmärkte nun ziemlich nach oben zeigen werden. Der Markt ist billig, und ich glaube an eine Rally, die von der sich bessernden Konjunktur gezogen wird.
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Was wird auf lange Sicht die Lehre sein, die wir aus dieser Finanzkrise ziehen werden?
Wir werden eine lange Zeit brauchen, um diese Finanzkrise zu überwinden, mit Sicherheit mehr als zehn Jahre. Und wir gehen in ein Jahrzehnt der Entschuldung - die Banken und die Unternehmen werden ihre Schulden sukzessive abbauen, was auch das Wirtschaftswachstum entsprechend verlangsamen wird. An den Aktienmärkten werden wir die alten Höchststände auf lange Zeit nicht wieder sehen. Aber auch an der Wall Street hat sich vieles verändert. Fünf große Investmentbanken sind verschwunden oder mussten ihr Geschäftsmodell stark ändern. Die Wall Street, wie wir sie kannten, gibt es nicht mehr.
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F.A.Z.
©Helmut Fricke
 
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