Berkshire Hathaway
Warren Buffett gönnt sich eine Eisenbahn
Von Norbert Kuls, New YorkGüterbahn-Riese in Amerika: der Bahnkonzern Burlington Northern Santa Fe
03. November 2009
Warren Buffett wettet auf die Zukunft der amerikanischen Wirtschaft. Die vom berühmten Investor geführte Anlage- und Holdinggesellschaft Berkshire Hathaway Inc. übernimmt für 26 Milliarden Dollar in Aktien und bar die restlichen Anteile der zweitgrößten amerikanischen Eisenbahngesellschaft Burlington Northern Santa Fe Corp. Es handelt sich nach Angaben von Buffett um die bisher größte Einzelübernahme in der Geschichte von Berkshire Hathaway. Berkshire hielt bereits seit 2007 einen Minderheitsanteil von 22,6 Prozent an Burlington und erwirbt nun den Rest der Aktien für einen Preis von 100 Dollar je Stück. Das gesamte Unternehmen wird damit mit 34 Milliarden Dollar bewertet. Berkshire übernimmt dazu ausstehende Schulden in Höhe von 10 Milliarden Dollar.
Der Kaufpreis entspricht einem Aufschlag von 31 Prozent gegenüber dem Schlusskurs von Burlington an der New Yorker Börse vom Montag. Buffett bezeichnete die vereinbarte Transaktion in einer Presseerklärung nicht nur als eine Wette auf das Unternehmen, sondern auch als "Wetteinsatz auf die wirtschaftliche Zukunft der Vereinigten Staaten". Die meisten Eisenbahngesellschaften wie Burlington Northern sind dort ausschließlich im Gütertransport tätig. In den Vereinigten Staaten bietet nur die Gesellschaft Amtrak Personenverkehr auf der Schiene an.
Amerikanisches Bahngeschäft leidet schwer unter der Krise
"Der künftige Wohlstand unseres Landes hängt von einem effizienten, gut erhaltenen Schienennetz ab": Warren Buffett
Der Kauf von Burlington Northern durch Buffett gilt daher als Signal, dass die Eisenbahnbranche wie die Konjunktur vor einem anhaltenden Aufschwung steht. Buffett nutzte schon in der Vergangenheit Daten über die Auslastung von Eisenbahnwaggons als Indikator für die wirtschaftliche Entwicklung. Manager der Eisenbahnbranche haben zunächst aber bestenfalls gesagt, dass der jüngste Rückgang des Frachtaufkommens zu Ende gegangen zu sein scheint.
Buffett übernimmt Burlington also in einer unsicheren Phase für die Branche. Ein fünfjähriger Aufschwung war mit der jüngsten Rezession zu Ende gegangen. Buffett ist allerdings bekannt für Anlagen, die er für unterbewertet hält. Auf den Höhepunkt der Finanzkrise im vergangenen Jahr investierte er 5 Milliarden Dollar in die Bank Goldman Sachs. Vermögensverwalter Tom Russo vom Wertpapierhaus Gardner Russo & Gardner bezeichnete den Kauf als typisch für Buffett. "Er sieht das als ein Unternehmen, das Vorteile gegenüber anderen Arten des Transportes hat", sagte Russo der Nachrichtenagentur Bloomberg.
Burlington gilt als eine der bestgeführten amerikanischen Eisenbahnen und betreibt ein Schienennetz von mehr als 50.000 Kilomentern zumeist im amerikanischen Westen. Zuletzt hat sich die Gesellschaft aber schlechter entwickelt als die Konkurrenz und reduzierte die Geschäftsprognosen für das vierte Quartal. Für das dritte Quartal hatte der Konzern wegen der schwachen Konjunktur und des nachlassenden Frachtvolumens einen gegenüber dem Vorjahr um 30 Prozent auf 488 Millionen Dollar gefallenen Nettogewinn ausgewiesen.
Buffetts Anlagestrategie wird aufmerksam beobachtet
Der Kauf von Burlington könnte auch strategische Bedeutung für ein anderes Unternehmen in Buffetts Reich haben. Zu Berkshire gehört auch der Stromversorger Midamerican Energy, der Kohlekraftwerke im Mittleren Westen und im Nordwesten des Landes betreibt. Zu den anderen unabhängig geführten Tochtergesellschaften von Berkshire gehören unter anderen das Textilunternehmen Fruit of the Loom und der Rückversicherer General Re.
Die Anlagestrategie des Milliardärs Buffett wird an der Wall Street aufmerksam beobachtet. Schon der Kauf der Minderheitsbeteiligung an der im texanischen Fort Worth beheimateten Burlington vor zweieinhalb Jahren hatte für Aufsehen gesorgt. Buffett hatte damals auch Beteiligungen an zwei weiteren nordamerikanischen Konkurrenten von Burlington bestätigt, deren Namen er allerdings geheim hielt.
Buffett folgte damals seinem Freund Bill Gates, dem Mitbegründer des Softwarekonzerns Microsoft. Die Anlagegesellschaft für das private Vermögen von Gates sowie dessen Stiftung hatten große Anteile an der kanadischen Eisenbahngesellschaft Canadian National erworben, die auch in den Vereinigten Staaten präsent ist. Der Finanzier Carl Icahn hatte zwischenzeitlich Anteile an der amerikanischen Eisenbahngesellschaft CSX gehalten.
FAZ.NET
AP, dpa (Archivbild 2007)
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