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Fertighäuser
Ein Eigenheim aus dem Baukasten
Von Jens Friedemann
Baukastenspiele für Große: Montagearbeiten an einem Fertighaus in Bad Soden
 
18. Mai 2009
"Nein, bis auf eine Atempause vor der Jahreswende hat die Finanzkrise dem Fertigbau nicht geschadet. Mehr als 12.000 Kunden haben im vergangenen Jahr ein Eigenheim aus Holz erworben." Das sagte Detlef Bühmann, Präsident des Bundesverbands Deutscher Fertigbau (BDF) und Geschäftsführer des Fertighausunternehmens Haacke aus dem niedersächsischen Celle in einem Gespräch mit dieser Zeitung.
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Nach der Streichung der Eigenheimzulage und der drastischen Erhöhung der Mehrwertsteuer - die der Branche arg zugesetzt hatten - sei die Nachfrage wieder gestiegen. Einige der knapp 50 Mitgliedsbetriebe des Verbands - fast alle überregional und zum Teil auch international tätig - verfügten sogar über mehr Aufträge als vor einem Jahr. Sie profitieren vom Klimaschutz und von den seit Jahresbeginn verschärften Energieeinsparvorschriften.
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Zusammenbruch der Nachfrage im Ausland
Die Fertighaushersteller, so der Verbandspräsident, hätten mit ganz anderen Problemen zu kämpfen: mit dem Zusammenbruch der Nachfrage auf einigen Auslandsmärkten und den zum Teil immer noch hohen Rohstoffpreisen. Die Ertragslage vieler Betriebe sei regelrecht eingebrochen. Erst im März hatte es einen der führenden Fertighaushersteller erwischt: Die Kampa-Gruppe musste Insolvenz anmelden (Fertighaus-Hersteller Kampa vor der Pleite). Hier seien wohl auch Managementfehler verantwortlich gewesen.
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Die Fertighausbranche, die mehrere hundert Unternehmen zähle - darunter uralte Zimmereibetriebe -, komme aus der Dämmung. Holz sei ein nachwachsender Rohstoff und habe - im Gegensatz zur Zement- und Ziegelindustrie - eine vorzeigbare Umweltbilanz. Das sei Rückenwind für den Fertigbau.
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Arbeiten an der öffentlichen Wahrnehmung
Ingenieurmäßig geplante und vorgefertigte Bauelemente bedeuten nach Bühmanns Worten keinesfalls Architektur von der Stange. Am Computer ließen sich die standardisierten Bauteile nach individuellen Vorstellungen zusammensetzen - vom Bausatz für Selbstbauer über Edel-Bungalows bis zu 830 schalldichten Fertighäusern nach amerikanischen Bauvorgaben am Truppenübungsplatz Grafenwöhr im Auftrag der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben.
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Auch gebe es große Chancen in der Kombination mit Beton - nicht nur beim Bau eines Kellers oder einer Bodenplatte, sondern auch im mehrgeschossigen Wohnungsbau. Dabei gehe es nicht nur um eine optimale Wärmedämmung, sondern auch um die Präzision der computergesteuerten Herstellung. Die auf Sicherheit bedachten Kunden müssten sich nicht mit den Risiken auf einer konventionellen Baustelle plagen; sie erhielten alles aus einer Hand.
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Außerdem würden sie ein zusammen mit der Deutschen Energie-Agentur (Dena) und der Förderbank KfW entwickeltes Qualitätssiegel "Effizienzhaus" erhalten und könnten alternative Energieanlagen, Dreifachverglasung oder auch Barrierefreiheit einplanen und die Kosten dafür kalkulieren. Wegen der hohen Dämmwirkung der Wände lasse sich die Heizanlage kleiner und kostengünstiger dimensionieren. Auch wollen mehrere Anbieter verstärkt innenstadtnahe Industriebrachen entwickeln, um sich tendenziell vom politisch umstrittenen Bild des Eigenheims auf der grünen Wiese zu befreien.
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Vorwürfe gegen die Bundesregierung
Allerdings bleiben heftige Vorwürfe gegen die Bundesregierung nicht aus. Sie betreibt nach Ansicht des Verbandspräsidenten keine Wohnungspolitik mehr - der Begriff sei sogar aus dem Namen des Bundesministeriums gestrichen worden. Man zahle aus Steuergeldern lieber Milliardenbeträge für Arbeitslose, statt den Bau intelligent zu fördern und als Konjunkturlokomotive einzusetzen.
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Der Wohnungsbau sei abgestürzt. In den großen Ballungsräumen stelle sich schon wieder Wohnungsknappheit ein. Dabei könne jeder an zehn Fingern abzählen, was der Staat allein an Mehrwertsteuern und Sozialversicherungsbeiträgen beim Bau von 20.000 Häusern im Wert von 150.000 oder 350.000 Euro einnimmt.
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Bühmann plädiert dafür, Energieeffizienz nicht durch das komplizierte KfW-System zu fördern, sondern durch Auszahlung des Barwertes von 10.000 oder 15.000 Euro an - als Anreiz mit einer familienfreundlichen Kinderkomponente gepaart -, wenn die Mindestvorschriften der neuen Energieeinsparverordnung um ein bestimmtes Maß unterschritten werden.
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Schärfere Kontrollen gefordert
Außerdem sollte der Staat nachfragen, ob die Förderung tatsächlich auf der Baustelle ankommt. Eine Untersuchung habe ergeben, dass mehr als die Hälfte aller neuen Eigenheime die Energieeinsparvorschriften nicht erfüllten. Hier stehe der Klimaschutz nur auf dem Papier. Statt Feinstaub-Plaketten auf Autos zu kleben, sollte in Anlehnung an die Abwrackprämie für Altautos an eine Abrissprämie für umweltschädliche Gebäude gedacht werden.
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Ein- und Zweifamilienhäuser aus den fünfziger und sechziger Jahren mit hohem Aufwand zu sanieren sei Unsinn. In den meisten Fällen sei ein Abriss und ein effizienter Fertigbau günstiger. Denn zur Dämmung und zum Einsatz alternativer Energiesysteme kämen in den meisten Nachkriegsbauten veraltete elektrische Anlagen und marode Wasserrohre hinzu.
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Hinzu kommen unzeitgemäße Grundrisse, Küchen und Sanitäreinrichtungen. Auch würden die Banken lieber zeitgemäßen Wohnkomfort mit viel Licht und moderner Anlagetechnik in einem Neubau finanzieren, zumal die Risiken des konventionellen Baus entfallen. Das Haus sei in wenigen Tagen bezugsfertig.
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Ein Volksfest für das Fertighaus
Der Anteil des Fertigbaus an den neuen Ein- und Zweifamilienhäusern liege bei 15 Prozent. In Rheinland-Pfalz stamme sogar jeder vierte Eigenheimbau aus vorgefertigter Produktion. Damit sei man noch weit entfernt von amerikanischen Verhältnissen, wo fast 80 Prozent des Wohnungsbaus auf vorgefertigte Holzelemente entfallen.
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Dafür aber sei der deutsche Fertigbau um ein gewaltiges Maß besser. Das lasse sich mit jedem Energieausweis belegen - und deren Benotung werde wahrscheinlich schon in Kürze bei Verkaufs- und Vermietungsinseraten, - vielleicht sogar für Versicherungs- und Finanzierungszwecke oder eines Tages für Klimasteuern verbindlich vorgeschrieben sein.
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Der Wunsch nach einem schönen und energieeffizienten Eigenheim sei ungebrochen; es sei eines der elementarsten Bedürfnisse der Menschen. Das werde auch auf dem "Tag des deutschen Fertigbaus" deutlich. Hier sollten am 17. Mai an zahlreichen Standorten in Deutschland regelrechte Volksfeste mit Besichtigungen und Aktionen für Alt und Jung veranstaltet werden.
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F.A.Z.
ddp
 
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