Einsatz in Afghanistan
Bittere Realität
Von Günther Nonnenmacher03. Juli 2009
Die wachsende Abneigung der deutschen Bevölkerung gegen den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan lässt sich im Kern auf einen Grund und auf eine Ursache zurückführen. Die Erfahrungen des 20. Jahrhunderts haben sich bei den Deutschen in einer pazifistischen – oder antimilitärischen – Grundhaltung niedergeschlagen; sie lehnen "Krieg als Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln“ geradezu instinktiv ab.
Die Ursache: Die militärische Intervention in Afghanistan hat nach dem schnellen Sturz der Taliban die Illusion genährt – nicht nur in Deutschland, auch in Amerika –, die Terrornester von Al Qaida könnten in einem Blitzkrieg ausgeräuchert werden und der Neuaufbau des Landes sei dann eine friedliche Aufgabe – mehr oder minder mühsam, langwierig und kostspielig, sicherlich nicht ganz ohne Gefahren, im Grunde aber eine Angelegenheit für zivile Ingenieure und Helfer oder politische Berater, die von Soldaten noch eine Zeitlang geschützt werden müssten. Unter diesen Voraussetzungen hat sich auch die Bundeswehr am Hindukusch engagiert.
Abnutzungsstrategie der Taliban
Entgegen solchen Prognosen hat sich die Lage in den vergangenen Jahren verschlechtert. Auch im früher ruhigen Norden Afghanistans, wo das Gros der deutschen Soldaten stationiert ist, werden die Kämpfe intensiver. Es könnte sein, dass die Offensive der Amerikaner im Süden, die im Zeichen der aus dem Irak importierten Taktik des Generals Petraeus steht, der letzte großangelegte Versuch ist, die Abnutzungsstrategie der Taliban zu durchkreuzen und das Blatt zu wenden. Die Demokratie-Vorstellungen für Afghanistan und das Ziel, dort "selbsttragende Sicherheit“ zu erreichen, sind ohnehin auf ein realistisches Maß zurückgeschraubt worden.
An diesen Zielen, die ohne militärischen Einsatz – auch den der Bundeswehr im Rahmen des integrierten Isaf-Konzeptes – nicht zu erreichen sind, sollte die Bundesregierung festhalten; sie wird dabei von einer breiten Mehrheit des Bundestages unterstützt. Mit Recht: Die Erkenntnisse der Sicherheitsbehörden zeigen, dass Al Qaida – oder was damit gemeint ist – keineswegs zu einem Internet-Phänomen geworden ist. Die Bedrohung besteht weiter, und ihr Ursprung ist das afghanisch-pakistanische Grenzgebiet. Solange das so bleibt, muss Deutschlands Sicherheit weiterhin am Hindukusch verteidigt werden.
F.A.Z.
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