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Kunst ist eine stabile Währung
Die Rothkos von Madoffs Komplizen
Von Lisa Zeitz
Ezra Merkin
 
04. Juli 2009
Das Schneeballsystem des Finanzbetrügers Bernard Madoff ist in sich zusammengestürzt wie ein Kartenhaus. Jetzt wurde er zu 150 Jahren Haft verurteilt, weil er Anleger um 65 Milliarden Dollar geprellt haben soll. Die Kunst aber behauptet sich derweil als stabile Währung: Rothko ist jetzt Trumpf - so sieht es zumindest die New Yorker Generalstaatsanwaltschaft. Eine Kunstsammlung, die in den nächsten Tagen für sagenhafte 310 Millionen Dollar verkauft werden soll, ist für viele seiner Opfer ein Hoffnungsschimmer auf eine Entschädigung. Was da in der Ferne strahlt, ist die Sammlung des Financiers Ezra Merkin.
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Merkin wähnt sich selbst als Opfer von Madoff, wird jedoch beschuldigt, sein Komplize gewesen zu sein und ihm mehr als zwei Milliarden Dollar zugeschoben zu haben. Die Galerie Pace Wildenstein hat nun einen unbekannten, privaten Käufer für die Sammlung aus dem Hut gezaubert. Mit Genehmigung von gerichtlicher Seite soll der Handel bis zum 15. Juli über die Bühne gehen. Ezra Merkin besitzt die umfassendste Gruppe von Werken Rothkos in privater Hand überhaupt. Zwischen 2003 und 2008 soll er mit Hilfe des Kunstvermittlers Ben Heller rund 150 Millionen Dollar allein in Rothko investiert haben: Darunter sind Studien für die berühmten Wandbilder, die Rothko Ende der fünfziger Jahre für das Restaurant "Four Seasons" in Mies van der Rohes Seagram Building gemalt hat, und die wenig später entstandenen Studien für die Rothko-Kapelle in Houston, Texas.
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Mit Figuren von Giacometti
Ein Bild aus dem Jahr 1968 erwarb Ben Heller in seinem Auftrag für 7,9 Millionen Dollar bei Sotheby's in New York, andere Werke hat Merkin direkt aus dem Rothko-Nachlass bei Pace Wildenstein erworben. Der mysteriöse Privatsammler erhält für seine 310 Millionen Dollar neben dem Rothko-Kontingent unter anderem auch zwei Bronzeplastiken von Alberto Giacometti, eine "Femme de Venise" und die kleine Figurengruppe "La clairière", die auf zwanzig Millionen Dollar geschätzt wurden. "Während sich Mr. und Mrs. Merkin gegen die Anschuldigungen zur Wehr setzen, haben sie sich entschieden, das Herzstück ihrer Sammlung privat zu verkaufen", sagte Andrew Levander, Anwalt der Merkins, gegenüber Bloomberg News.
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Auf der Gegenseite äußert sich der New Yorker Generalstaatsanwalt Andrew Cuomo, der Erlös werde dazu dienen, "die mutmaßlichen Betrugsopfer von Mr. Merkin zu entschädigen". Aber Achtung! Sobald sich Kunst in Geld verwandelt, schmilzt dieses wieder dahin. 42 Millionen von den 310 Millionen werden der Pace Wildenstein Gallery als Agentin für Rothkos Kinder überwiesen, um deren noch bestehende Rechte an den Kunstwerken abzugelten, außerdem erhalte die HSBC Bank 19,3 Millionen für verschiedene Objekte.
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Die Pace Wildenstein Gallery erhält elf Millionen Dollar für die Beratung des Käufers, und 26,5 Millionen Dollar berechnet eine Firma mit dem Namen TLIA LLC für die Beratung des Verkäufers. Von den verbleibenden 211 Millionen werden 19,2 Millionen in Steuern und Anwaltskosten abgezogen. Die restlichen 191 Millionen Dollar werden dann treuhänderisch verwaltet, bis die rechtliche Situation geklärt ist.
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F.A.Z.
AP Photo/Eliana Aponte, Pool, File
 
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