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Bestattungstourismus
Ascheland
Von Jürg Altwegg
 
03. November 2009
Die Urne kam aus Deutschland. Begleitet wurde sie von zwei Freunden und einem Priester. Die Bestattung in den Bergen entsprach dem Letzten Willen des Toten. Die "Letzte Ruhe GmbH“ übernahm den Auftrag gegen Bezahlung. Eigentlich sollte er auf dem Gletscher des Petersgrats erledigt werden. Doch der starke Wind machte die Landung des Helikopters unmöglich. Deshalb musste die kleine Expedition auf das Lauberhorn ausweichen – mit der Eigernordwand im Blick. "Wir verstreuen die Asche in die Ewigkeit der Berner Berge“, sagte der Geistliche und säte sie von Hand auf den Schnee. Nach ein paar stillen Minuten muss der Motor die Ruhe nicht nur des Toten sehr empfindlich gestört und auch dessen Asche heftig aufgewirbelt haben.
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Zwanzig Naturbestattungen führt die von einem Flugbegleiter und einem Piloten begründete Firma monatlich durch. Die Aufträge kommen praktisch ausnahmslos aus Deutschland, wo eine strikte Friedhofspflicht herrscht. Wie für die letzte Reise zum organisierten Suizid ist die Schweiz auch für den Bestattungstourismus zur führenden Destination geworden. Ein Unternehmen mit dem Namen "Friedwald“ bietet Baumbeerdigungen an – auf der Website kann man sich auf einer Karte den Wald aussuchen. Die Asche – auch einer ganzen Familie – wird in die Wurzeln des Baums eingegraben und dient diesem als Nährstoff. Die Kosten: von dreitausend Euro an, "alle weiteren Kosten (Grabstein, Bepflanzung, Pflege) entfallen. Die Grabpflege übernimmt die Natur.“ Und sie wird für 99 Jahre garantiert.
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Die Firma "Oase der Ewigkeit“ im Wallis kümmert sich jedes Jahr um tausend Bestattungen in der freien Landschaft und bietet in ihrem Katalog wahlweise das Matterhorn oder den Montblanc, den Aletschgletscher und die Jungfrau an. Der Verkehrsverein von Zermatt spricht von Tausenden von Schweizern, Deutschen und Japanern, deren Asche jährlich hier verstreut werde – und würde auf diese Art des Tourismus lieber verzichten. Denn inzwischen steigt auch die Zahl der Reklamationen. Die Gäste fühlen sich durch den beschmutzten Schnee, Fluglärm, Zeremonien gestört und wollen nicht durch Totenwälder wandern. Die Berner Umweltbehörden wollen Gletscherbestattungen als Verstoß gegen die Wasserschutzbestimmungen verbieten. Die "Letzte Ruhe GmbH“ garantiert indes, ihr Tun sei unbedenklich – nicht nur in moralischer Hinsicht: Die von allen Fremdstoffen gesäuberte Asche bestehe ausschließlich aus Mineralstoffen wie Kalzium und Kalium.
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F.A.Z.
 
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