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Urteil
150 Jahre Haft für Bernie Madoff
Bernard Madoff - einer der größten Betrugsfälle der Finanzgeschichte geht auf sein Konto
 
29. Juni 2009
Der geständige Milliardenbetrüger Bernard Madoff ist in New York zu einer Haftstrafe von 150 Jahren verurteilt worden. Der zuständige Bundesrichter Denny Chin gab damit den Forderungen der Staatsanwaltschaft statt und schöpfte die gesetzlich mögliche Höchststrafe für Madoffs Vergehen voll aus. Madoff hatte sich Mitte März in elf Anklagepunkten des Wertpapierbetrugs, der Geldwäsche, des Meineids und falscher Angaben gegenüber der Börsenaufsicht schuldig bekannt.
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Unmittelbar vor seiner Verurteilung hatte Madoff Reue bekundet. Er habe einen "fürchterlichen Fehler" begangen, sagte er am Montag vor Gericht. An die Opfer im Saal gewandt sagte er: "Es tut mir leid. Ich weiß, das hilft Ihnen nichts." Zugleich betonte er: "Ich habe für mein Verhalten keine echte Entschuldigung anzubieten." Seiner Familie hinterlasse er ein "Vermächtnis der Schande", sagte der 71 Jahre alte ehemalige Broker. Madoffs Anwalt hatte angesichts des fortgeschrittenen Alters seines Mandanten auf nur 12 Jahre Haft plädiert.
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Gigantisches Schneeballsystem
Madoff hatte seit den achtziger Jahren ein gigantisches Schneeballsystem betrieben und den Kunden seiner Vermögensverwaltung zuletzt eine Anlagesumme von insgesamt 64,8 Milliarden Dollar vorgegaukelt. Übrig istdavon nur etwas mehr als eine Milliarde Dollar. "Das Ausmaß des Betrugs ist beispiellos", sagte Richter Chin in der Urteilsbegründung am Ende einer anderthalbstündigen Verhandlung. Die Höhe der Strafe begründete Chin zudem mit Abschreckung für andere mögliche Täter und der symbolischen Bedeutung für die Opfer. Madoff habe die Ermittlungen der Behörden zudem nicht ausreichend unterstützt. "Ich habe nicht den Eindruck, dass Mister Madoff alles getan hat was er hätte tun können", sagte Chin.
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Mit dem Urteil findet einer der größten Betrugsfälle an der Wall Street seinen vorläufigen Höhepunkt. Madoff war im vergangenen Dezember verhaftet worden, nachdem er zunächst seinen beiden Söhnen gestanden hatte, dass es sich bei seiner Vermögensverwaltung um ein Schneeballsystem handelte. Bei einem Schnellballsystem werden Anleger nicht mit Gewinnen aus Investitionen, sondern mit dem Geld neuer Investoren ausgezahlt. Ziehen zu viele Kunden Gelder ab, bricht das System zusammen. Zu den Opfern gehören neben Privatanlegern auch Stiftungen wie die des Holocaust-Überlebenden und Friedensnobelpreisträgers Elie Wiesel. Auch europäische Banken hatten eigenes Geld oder das Geld ihrer Kunden bei Madoff angelegt. Deutsche Anleger sind ebenfalls betroffen, vor allem Kunden kleiner Vermögensverwalter, die insgesamt 220 Millionen Euro in Fonds investiert hatten, die wiederum bei Madoff engagiert waren.
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Mehr als 100 Briefe und E-Mails von Opfern und Angehörigen
Die Staatsanwälte hatten Richter Chin mehr als 100 Briefe und E-Mails von Opfern oder Angehörigen vorgelegt, in denen Madoff als "Monster" und "Teufel" bezeichnet wird. Dieser Tenor herrschte auch bei der Verhandlung am Montag vor. Zahlreiche Opfer berichteten vom Verlust ihrer gesamten Ersparnisse. "Ich lebe von Lebensmittelmarken der Sozialhilfe", sagte eine Frau. Ein 33 Jahre alter Anleger berichtete, dass der Treuhänderfonds seiner Familie, der zum Teil für die lebenslange Pflege seines geistig behinderten Bruders vorgesehen war, durch Madoffs Betrug ausgelöscht wurde. Einige Anleger weinten, als sie dem Richter von ihren Verlusten berichteten. Eine Anlegerin wurde wütend, als sie von dem Verlust als Albtraum sprach. "Dieser Terror, dieses Biest, dieses Monster hat einen Namen: Bernard L. Madoff."
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Der Betrugsfall sorgte an der Wall Street auch für hohe Wellen, weil Madoff in der Finanzbranche lange einen exzellenten Ruf als Börsenmakler genoss. Er hatte in den sechziger Jahren die Börsenmaklerfirma Bernard L. Madoff Investment Securities gegründet, die zeitweise zu den größten Maklern an der elektronischen Börse Nasdaq gehörte. Madoff galt als einer der Pioniere im elektronischen Wertpapierhandel und war Anfang der neunziger Jahre zeitweise Verwaltungsratschef der Nasdaq. Er beriet als Fachmann für Handelssysteme zudem die Börsenaufsicht SEC. Die SEC war wegen des Falls stark unter Druck geraten, weil es Ermittlern der Behörde trotz jahrelanger Hinweise auf Ungereimtheiten bei der von der legitimen Börsenmaklerfirma unabhängigen Vermögensverwaltung von Madoff nicht gelungen war, den Betrug aufzudecken.
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Die juristische Aufarbeitung des Falls ist mit dem Urteil noch nicht zu Ende. Gegen Finanzdienstleister und Privatpersonen, die Gelder an Madoff vermittelt hatten, laufen bereits zahlreiche Klagen. Die Kläger werfen ihnen vor, die Anlagemethoden von Madoff nicht ausreichend geprüft zu haben. Die Behörden konzentrieren ihre Ermittlungen aktuell auf mögliche Helfer von Madoff. Vor einer Woche verklagte die SEC in einem zivilrechtlichen Verfahren mehrere Personen, die Madoff Investoren zugeführt und dafür Geld erhalten haben. Die SEC wirft ihnen vor, gewusst oder "fahrlässig ignoriert" zu haben, dass Madoffs Wertpapiergeschäfte reine Fiktion waren. In einem strafrechtlichen Verfahren wurde bisher allerdings nur der Wirtschaftsprüfer von Madoff angeklagt.
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nks./F.A.Z.
dpa
 
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